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Kosten für eine Erstausbildung steuerlich abziehbar

Autor: (Oktober 2011)

Seit einigen Jahren gibt es immer wieder Unklarheiten über die Absetzbarkeit von Ausbildungskosten. Nach einigen entsprechenden Gerichtsentscheidungen hatte der Gesetzgeber Ausbildungskosten im Rahmen einer bezahlten Ausbildung und solche im Rahmen einer Zweit- oder Aufbauausbildung als Werbungskosten zum Abzug zugelassen.

Nicht anerkennen wollte der Steuergesetzgeber den Abzug der Aufwendungen im Rahmen einer Erstausbildung bzw. eines Erststudiums als Werbungskosten. Stattdessen ließ er diese Aufwendungen nur begrenzt auf 4.000 EUR pro Jahr zum Abzug als Sonderausgaben zu. Zwischen Sonderausgaben und Werbungskosten besteht aber ein entscheidender Unterschied: 4.000 EUR Werbungskosten sind bei 0 Einnahmen als Verlust unbegrenzt vortragbar bis hin zu der Zeit des Verdienens. 4.000 EUR Sonderausgaben sind nur im Jahr der Verausgabung und nur bis zur Höhe der Einkünfte abziehbar. Ein Vortrag von Verlusten ist nicht möglich. Insofern ging der Sonderausgabenabzug für die meisten Studenten in Leere, da sie entweder nichts oder nur innerhalb des ohnehin steuerfreien Grundfreibetrages von rd. 8.000 EUR verdienten.
Nun entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in zwei Fällen anders. Der BFH gab den Klagen eines Piloten und einer Medizinerin statt.

Unmittelbare Wirkung haben die Urteile über die beiden entschiedenen Einzelfälle hinaus zunächst jedoch nicht. Das Bundesfinanzministerium muss nun entscheiden, wie es mit den Urteilen umgeht. Erlässt es einen sogenannten Nichtanwendungserlass, so werden die Urtei-le nicht über den Einzelfall angewendet. Es deutet sich derzeit an, dass das Ministerium aber das Einkommenssteuergesetz überarbeiten wird. Allerdings wird dort wohl überlegt, wie diese Urteile möglichst restriktiv und haushaltsschonend umgesetzt werden könnten.

Was ist also zu tun? Alle Kosten des Studiums sollten gesammelt werden. Wurden bisher schon Steuererklärungen abgegeben, werden diese 1 Monat nach Erhalt des Bescheides bestandskräftig. Es wäre zu prüfen, ob eventuell noch offene Einsprüche für die vergangenen Jahre vorliegen oder die Bescheide aus anderen Gründen noch nicht bestandskräftig geworden sind. Wurde bisher noch keine Steuererklärung abgegeben, so verjährt Ende 2011 in der Regel die Abzugsmöglichkeit für das Jahr 2007. Vor Jahresende 2011 sollte also mindestens für 2007 eine Steuererklärung abgegeben werden. Für die neueren Jahre droht noch keine Verjährung. Hier könnte man zuwarten, wie der Gesetzgeber die Urteile umsetzt. In Ausnahmefällen könnte eine Verjährung erst nach 7 Jahren eintreten. Dies sollte zusammen mit dem Steuerberater geprüft werden.

Absetzbare Kosten sind insbesondere:
• Lehrgangs-, Schul- oder Studiengebühren,
• Arbeitsmittel,
• Fachliteratur,
• Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungsort mit 0,30 EUR pro gefahrenen Kilometer mit dem Pkw oder die Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel,
• Ggf. Mehraufwendungen für Verpflegung über Pauschalen,
• Mehraufwendungen wegen auswärtiger Unterbringung. Hierfür ist nicht erforderlich, dass die Voraussetzungen einer doppelten Haushaltsführung vorliegen.
• U. U. Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer



Redaktion Steuertipps:
Steuerberater Dipl.oec. Peter Wissing

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